About Norbert Steinkamp

My name is Norbert Steinkamp. I am a clinical bioethicist by profession and by passion; a teacher, lecturer, trainer, coach, author and photographer by passion and profession. I live and work in Nijmegen, a university town in the Dutch province of Gelderland, not far away from the Dutch-German border. Being German by origin, my life has been crossing borders for quite a while. For my work at the University Medical Centre Nijmegen (http://www.umcn.nl/) as well as the Erasmus Mundus Master of Bioethics (www.masterbioethics.org) I'm mostly in the Netherlands, Germany, Belgium, Italy; sometimes in the USA and Ireland and recently also in Canada. I'm the author, together with my colleague Bert Gordijn ( who's a professor at Dublin City University), of a much read and often used German workbook on Clinical Ethics in healthcare organizations (http://shop.wolterskluwer.de/wkd/shop/shop,1/ethik-in-klinik-und-pflegeeinrichtung,978-3-472-07685-8,luchterhand,8262/) as well as a number of articles in international journals and chapters in books in the Netherlands, Austria and Switzerland. Next to my work, I try to undergo some development in photography, which I'm now integrating, together with lecturing and writing, into my set of professional skills. A study program at the Photo Academy Amsterdam (www.fotoacademie.nl), which I've been pursuing for a while now, is helping me lot to achieve this. Since my study leave at the University of Toronto Joint Centre of Bioethics (http://www.jointcentreforbioethics.ca/) last spring and summer, I'm also a member of Gallery 44 (http://www.gallery44.org/), an artist-run gallery for the advancement of contemporary Canadian photography in Toronto, Ontario. In this blog I'm showing photographs and text revealing ideas, glimpses, piece of my worldview etc. I'm considering it a platform to experiment with before proceeding to develop my own website. Any sort of comment is very much appreciated, either here, at other places online (e.g. Facebook or via the email) or, my absolute favorite, f2f :-)

… umgeben von echten Fremden

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Im Jahre 1929 veröffentlichte der Berliner Schriftsteller Franz Hessel ein Buch mit dem Titel “Spazieren in Berlin”. Als Flaneur in der eigenen Stadt bemühte er sich, Abstand zwischen sich und dem ihm Vertrauten zu schaffen. In der 1984 im Arsenal Verlag unter dem Titel “Ein Flaneur in Berlin” erschienenen Neuauflage des Buches – angereichert mit Fotografien von Friedrich Seidenstücker, einem “Waschzettel” von Heinz Knobloch sowie Walter Benjamins “Die Wiederkehr des Flaneurs” – lesen wir von einer touristischen Rundfahrt durch die eigene Stadt.

Steinkamp_Hop on hop off Berlin_20170906_0000341Unter den Linden nahe der Friedrichstraße halten hüben und drüben Riesenautos, vor denen livrierte Männer mit Goldbuchstaben auf ihren Mützen stehen und zur Rundfahrt einladen; drüben heißt ein Unternehmen ‘Elite’, hüben ‘Käse’. Bequemlichkeit oder natürliches Kleinbürgertum? – Ich wähle ‘Käse’.

Da sitze ich nun auf den Lederpolstern, umgeben von echten Fremden. …” (Franz Hessel. Ein Flaneur in Berlin, S. 51) Steinkamp_Hop on hop off Berlin_20170906_0000349

Seitdem ich Hessels Text vor über 30 Jahren zum ersten Mal las, hatte ich mir vorgenommen, mich selbst einmal zwischen richtigen Fremden durch die “eigene” Stadt chauffieren zu lassen.

Nun, inzwischen heißt das Unternehmen nicht mehr ‘Käse’, sondern die Hop-on Hop-off Tour wird schlicht als “Klassische Tour durch die Berliner City” vermarktet. Auf den roten Stoffsitzen leuchten blau-gelbe Sonnen und in gelber Schrift steht dort “City Sight Seeing” (Hessel: “Welch eindringlicher Pleonasmus!”). Abfahrt ist in der Tauentzienstraße und die original Westberliner Stadtführerin wohnt in meiner Nachbarschaft.

Steinkamp_Hop on hop off Berlin_20170906_0000332Man entdeckt Neues auf einer Tour durch Straßen, in denen man seinen Alltag zu gestalten versucht. Dennoch ist es gar nicht so einfach, die eigene Stadt als Tourist zu erkunden und sich wieder als richtiger Fremder zu fühlen. Selbst wenn es mit der eigenen Vertrautheit noch gar nicht so weit, nämlich nicht einmal anderthalb Jahre, her ist.Steinkamp_Hop on hop off Berlin_20170906_0000325

Doch das Vertraute holt mich schneller als erwartet wieder ein, als sich gegen Ende der Tour der alltägliche Regenguss in diesem verregneten Sommer ankündigt.

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Dennoch: sehr informativ; zudem eine interessante Erfahrung, ab und zu mal etwas künstlichen Abstand herzustellen, um nicht den Überblick zu verlieren.