Auf den Kykladen, Sommer 2015 – Tag 4

Steinkamp_Kykladen_2015_20150817 (2 of 4)Im vorletzten Eintrag hatte ich etwas über Gegensätze geschrieben, die einem in dieser Gegend so deutlich durch das Licht vor Augen geführt werden. Ein besonderer Gegensatz ist in Griechenland derjenige zwischen oben und unten. Viele Gebäude sind unten noch im Zustand des Rohbaus oder aufgrund von Aufgabe sowie längerer Nichtnutzung  vergammelt, während man im oberen Stockwerk wohnt oder Geschäften nachgeht. So auch bei diesem Gebäude in der Nähe der Grotta in Naxos Stadt.

Steinkamp_Kykladen_2015_20150819 (1 of 1)-2Ob dies aber ein Zeichen der Krise ist kann man aufgrund der Vieldeutigkeit von Zeichen nicht mit Sicherheit sagen. Für das Ungenutztlassen der unteren Etagen von Gebäuden kann es viele Gründe geben, bis hin zu rechtlichen Bestimmungen dass Häuser, die einmal eine bestimmte Höhe erreicht haben, nicht mehr abgebrochen werden dürfen.

In den vom Tourismus bestimmten Teilen dieser und anderer Inseln scheint das Geschäft nach wie vor recht gut zu laufen. Veränderungen auf den Inseln bemerkt man an anderen Dingen, etwa dass es – außer den Urlaubern – relativ wenig jüngere Erwachsene im beruflich aktiven Alter im Straßenbild gibt; dass der Anteil alter Bewohner sehr hoch ist; auch daran dass öffentliche Sporteinrichtungen sowie öffentliche Gebäude öfters so aussehen als könnten etwas Farbe und regelmäßigere Nutzung ihnen gut tun.

Mehr erfährt man aus Mitteilungen und Erzählungen. Ich denke an den Stoßsäufzer der Besitzerin des Hotels, in dem ich auf Naxos ein paar Nächte verbrachte, über die wiederholt gestiegenen Abgaben, aufgrund derer mit der Zimmervermietung kaum noch Gewinn zu machen sei. Oder die Geschichte eines in Deutschland studierenden griechischen Studenten, der sich bei seinem ebenfalls griechischen Professor Geld zum Leben leihen musste, weil er keinen Zugang mehr zu seinem Konto bekam.

Es sind die scheinbar ganz nebensächlichen Details die darauf hindeuten, was es im Alltag bedeutet, nicht über die eigenen Mittel verfügen zu können. Eine junge Frau konnte sich aufgrund gesperrten Kontozugangs den Traum eines Konzertes, für das sie Tickets, eine Reise und Hotelübernachtung im Internet hätte buchen müssen, nicht erfüllen. Ist das Jammern auf hohem Niveau? Auf jeden Fall bedeutet es eine gehörige Einschränkung der persönlichen Freiheit, die für viele von uns so selbstverständlich ist, und über die man ganz selbstverständlich verfügen kann, solange man als deutscher oder niederländischer Tourist in diesem Land unterwegs ist.

Ein paar angerostete Sportgeräte sind da sicher nicht das wichtigste Problem.

Steinkamp_Kykladen_2015_20150818 (1 of 7)

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *